Rückreise und Fazit

April 22, 2008

Der heutige Tag war im Wesentlichen dem Abreisen gewidmet. Der Flug ging mittags um 12.30 Uhr. Vom Hotel aus sind wir mit dem Limousinen-Bus zum Flughafen in Narita gefahren worden. Der Ablauf dort war reibungslos und schnell, so dass wir pünktlich abfliegen konnten. Nach einer Flugzeit von elf Stunden und 55 Minuten kamen wir erschöpft in München an, wo wir von Silvias Eltern in Empfang genommen wurden. Ein Abendessen im Augustiner war dann genau das Richtige (und auch der Kontrapunkt zu dem Kaiseki).

Was fasst unsere Erlebnisse jetzt am besten zusammen?
Tokyo war erst mal vielseitig. Egal, wo man aus dem Untergrund (U-Bahn) auftaucht, jedes Viertel empfängt einen mit einer anderen Atmosphäre und einer anderen Stimmung. Während es beispielsweise in Asakusa recht ruhig und traditionell zuging, war Shibuya dagegen sehr jugendlich, und es herrschte dort ein Geräuschpegel wie auf dem Oktoberfest. Ginza wiederum war unserer Einschätzung nach eher gediegen und konsumorientiert.

Tokyo war nicht so teuer, wie wir es erwartet hatten. Natürlich gibt es wie in jeder Großstadt Designerläden und Luxushotels, für die man entsprechend in die Tasche greifen muss. Auch die Lebenshaltungskosten sind für einen Einheimischen sicher beachtlich (Miete!). Als Tourist kann man jedoch günstig reisen, vor allem, wenn man sich nicht tagtäglich vom Kaiseki ernährt, sondern auch mal zu den allgegenwärtigen Nudelsuppen oder Currygerichten greift. Es ist uns auch aufgefallen, dass es selbst an Touristenspots keinerlei Abzocke gibt. Ein Snack oder ein Souvenir ist dort ebenso teuer wie abseits der touristischen Route. Allerdings wird man sein Geld schon dadurch los, weil man auf so viele andersartige Dinge stößt (Süßigkeiten oder Snacks), die man unbedingt ausprobieren will.

Tokyo war in vielerlei Hinsicht anders als wir es erwartet hatten. Die Menschen, die wir kennen gelernt haben, waren überraschend offen und neugierig auf uns “Westler”. Möglicherweise hängt es auch damit zusammen, dass wir in einer Multikulti-Gruppe verkehrten. Allerdings ging es uns auch bei Unternehmungen zu zweit so, dass wir angesprochen wurden oder uns Hilfe angetragen wurde. Bisweilen waren wir auch Fotoobjekt japanischer Touristen.
Die Menschen, die sich auf der Straße und den in den U-Bahnen aufhalten, ignorieren sich (und uns) allerdings komplett. Das heißt konkret, dass Leute in der U-Bahn kaum miteinander sprechen, sondern lieber emsig in ihr Handy tippen (wir wissen bis heute nicht, was man auf einer halbstündigen Fahrt alles in sein Handy tippen kann) oder aus dem Fenster schauen. Die Regeln, die das Verhalten innerhalb von Menschenmassen betreffen, funktionieren allerdings einwandfrei. Niemand rempelt den anderen an, drängelt sich vor oder mault.
Erstaunlich ist außerdem die Ruhe, mit der das alles zugeht. Schreien oder laut reden tut kaum jemand, und Lärm kommt im wesentlichen aus den allgegenwärtigen Leuchtreklametafeln sowie den ständig plappernden Rolltreppen und Aufzügen.
Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, mit der uns in schwierigen Situationen begegnet wurde, war wirklich sprichwörtlich. Will man einen Passanten nur kurz nach dem Weg fragen, kann es passieren, dass er die ganze Strecke mitgeht (was schon mal zehn Minuten Fußmarsch sein können), obwohl er eigentlich in eine ganz andere Richtung unterwegs war. Beim Smalltalk währenddessen werden dann freudestrahlend Kenntnisse über deutsche Fußballer ausgepackt (Oliver Kahn ist scheinbar sehr populär dort). Es ist uns nie passiert, dass jemand auf eine Frage hin “Das weiß ich nicht” oder etwas Ähnliches antwortet. Im Zweifelsfall fragt er dann jemand anderen oder geht in die nächste Polizeiwache und fragt dort nach dem Weg. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass Japaner ihr Gesicht verlieren würden, wenn sie vor einem anderen “versagen” würden.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt und Eindrücke genossen. Tokyo ist für jeden zu empfehlen, der die Vielseitigkeit einer Stadt schätzt, aber bisweilen auch mit Lärm und Menschenmassen zurechtkommt. Ein paar Brocken Japanisch sind von Vorteil, allerdings nicht Grundvoraussetzung. Kulinarisch sollte einem von Reis und Sojasauce nicht das kalte Grausen kommen, denn das ist hier allgegenwärtig.

Jetzt schlafen wir erst einmal den Jetlag aus und sehen, was die nächste Zeit in Deutschland bringen wird. Vielen Dank an alle Leser und Kommentierer dieses Blogs!

— ENDE —

Kaiseki-Dinner

April 21, 2008

Heute verbrachten wir eigentlich den ganzen Tag damit, kreuz und quer durch Tokyo zu fahren, um die letzten Mitbringsel einzukaufen und um noch mal die schönsten Spots der letzten 18 Tage zu sehen.

Am Abend haben wir uns dann in unserem Hotel ein Kaiseki-Dinner gegönnt. Das ist ein traditionelles japanisches Menü, das aus vielen kleinen Gängen besteht, bei dem je nach Jahreszeit verschiedene Zutaten verwendet werden. Die einzelnen Gerichte sind wie kleine Kunstwerke angerichtet. Es ist das Ziel, den Geschmack der Zutaten möglichst natürlich und unverfälscht zu vermitteln. Unser Menü bestand aus folgenden elf Gängen (so weit wie möglich aus dem Englischen übersetzt):

Starter
Gekochte japanische Lilie mit Schwertmuschel an Sesamdressing

Appetizer
Tintenfisch, Reiscracker in Kirschblütenform, Lachs, Sushi und gekochte Bohne

Suppe
Klare Suppe mit Dorsch-Einlage

Sashimi
von der Meerbrasse, vom Thunfisch und vom Krebs

Grilled dish
Gegrillte Meerbrasse

Simmered dish
Bambus und verschiedenes Gemüse

Delicacy
Japanischer Hummer

Fried Fish
Shrimpknödel

Marinated dish
Marinierte Sardine

Rice
Gedünsteter Reiskuchen mit Spanischer Makrele

Dessert
Früchte der Saison

Wie man auf den Fotos vielleicht erkennen kann, sind die einzelnen Gänge nicht sehr reichhaltig (dafür aber teuer), so dass man ohne Weiteres elf Gänge verzehren kann. Kaiseki hat sich ursprünglich aus der Teezeremonie entwickelt und wird eigentlich vor allem in Kyoto serviert. Da wir jedoch gelesen haben, dass der Hotelkoch hier über einen Stern verfügt, haben wir uns entschieden, uns den letzten Abend mit diesem besonderen Dinner zu versüßen.
Morgen geht´s dann zurück nach Hause. Ein kurzer Abriss dieses allerletzen Urlaubstages und ein Fazit folgen dann im letzten Beitrag.

Sashimi

Japanischer Hummer

Park Hotel, Baseball und Akihabara

April 20, 2008

Heute sind wir wieder umgezogen, und zwar in den 29. Stock des Park Hotel Tokyo in Shiodome. Die Aussicht von hier oben ist wirklich beeindruckend. An der Rezeption (im 25. Stock!) gibt es eine riesige Fensterfront mit Blick auf den Tokyo Tower in Roppongi.

Nach unserem Umzug sind wir zum Baseball in den Tokyo Dome gefahren. Hier ist Baseball nicht nur Nationalsport, sondern es ist auch eine beliebte Nachmittagsbeschäftigung von Vätern, mit ihren kleinen Söhnen zum Spiel zu gehen. Es haben leider nicht die Giants gespielt, sondern die Buffaloes gegen die Marines (offenbar eine niedrigere Liga). Das Spiel war trotzdem streckenweise interessant anzuschauen, auch wenn es nach dem 4. Inning immer noch 0:0 stand. Das Spiel dauerte etwa drei Stunden und endete 6:0 für die Marines. Das Drumherum war aber eigentlich noch amüsanter als das Spiel selbst. Es laufen ständig mehrere junge Frauen in bunten Kleidchen durch die Zuschauerränge und wollen Essbares verkaufen. Am Kuriosesten sind aber die “Biermädchen”, die mit einem kleinen Faß Kirin, Asahi oder Sapporo auf dem Rücken den Zuschauern das Bier frisch in den Becher zapfen (siehe Foto).

Nach dem Spiel sind wir noch mal nach Akihabara (Elektronik- und Mangaviertel) gefahren. Auf der sonst mehrspurig befahrenen Hauptstraße durften heute keine Autos verkehren (siehe Foto). Es fanden sich an jeder Ecke irgendwelche Selbstdarsteller von E-Gitarre-Spielern über Ausdruckstänzerinnen bis hin zu Cosplay-Gestalten. Auch ein paar neue Läden haben wir wieder entdeckt. In einem gab es nur alte Spielkonsolen (NES, Super-Nintendo, Mega Drive, Gameboy etc.) und zugehörige Spiele (zum Teil für 100 Yen!). Ein anderer war voll mit Greifautomaten, wie es sie früher auch bei uns auf der Dult gegeben hat.

Da die Yurikamome Line nach Odaiba direkt vor unserem Hotel abfährt (wo hier Läden, Restaurants oder Hotels beginnen und Bahnhöfe aufhören, ist hier schwer zu sagen), haben wir noch einmal einen Abstecher dorthin gemacht. Das Bild unten gibt einen kleinen Eindruck von der unbeschreiblichen Skyline bei Nacht wieder.

Blick aus unserem Zimmer

Bierspenderin

“Fußgängerzone” in Akihabara

Costume Play in Akihabara (Wer erkennt die Dame in der Mitte?)

Blick auf Tokyo von Odaiba

Odaiba und Cosplay in Harajuku

April 19, 2008

Den Vormittag haben wir heute in Odaiba verbracht. Odaiba ist ein Stadtteil von Tokyo, der auf künstlich aufgeschüttetem Land (im übrigen Müll) erbaut ist und mit einer riesigen Brücke, der Rainbow Bridge, mit dem Stadtzentrum von Tokyo verbunden ist. Allein die Anfahrt nach Odaiba ist ein Erlebnis, weil man mit einem fahrerlosen und großzügig verglasten Zug dort hinfahren kann. Dabei wird die Rainbow Bridge passiert, was einen wunderbaren Blick auf die Skyline von Tokyo erlaubt. Über den Bahngleisen verläuft im übrigen die Autobahn. In Odaiba angekommen, haben wir zunächst mal die wunderbare Aussicht genossen und aus verschiedensten Perspektiven fotographiert. In Odaiba findet sich auch eine Freiheitsstatue, die jedoch viel kleiner (mal zur Abwechslung) als das Original ist. Ansonsten haben wir in Odaiba das Museum of Emerging Technology and Innovation besucht. Dieses Museum blickt – im Gegensatz zu den meisten – in die Zukunft und stellt neueste und zukünftige Technologien vor. Unter anderem wurde dort der von Honda erbaute Roboter Asimo vorgestellt. Asimo hat in etwa die Größe eines Kindes und seine Bewegungen wirken zum Teil erschreckend menschlich. Die Demonstration war wirklich faszinierend.

Nachmittags sind wir dann nochmal nach Harajuku gefahren. Am Bahnhof verkehren dort einzigartige Gestalten, die cosplay-zoku (costume play gang). Diese besteht vorwiegend aus jungen Frauen, die sich recht individuell und kreativ (ver)kleiden. Laut Reiseführer hat dies den Zweck, den oft in der Schule ausgegrenzten Jugendlichen Freiheit und Akzeptanz unter Ihresgleichen zu bringen. Die Verkleidungen reichen von Gothloli (Gothic Lolita) und Rokoko-Outfit bis hin zum Kostüm des Lieblingsanimecharakters.

Abends waren wir in einer winzigen Sushibar beim Essen. Der Raum besteht nur aus einer Bar und etwa zehn kleinen Hockern davor. Eine solche Mischung aus Snackbar und kleinem Restaurant findet man hier in Tokyo sehr häufig. Das Sushi war extrem günstig, die meisten Nigiri kosteten 100 Yen (etwa 60 Cent) und waren wirklich lecker! Gratis dazu gibt es neben sympatischen Köchen eine Misosuppe und Grüntee bis zum Umfallen. So wurden wir für insgesamt zehn Euro sehr gut abgefüttert. Für eine Weltmetropole ist das ein fast unglaublicher Preis. Man muss allerdings sagen, dass selbst in einem sehr bekannten Sushilokal am Tsukiji-Fischmarkt die Nigiri immer noch weniger kosten als in Regensburg. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit Soba-Restaurants, in denen es Nudelsuppen ab etwa 200 Yen gibt.

Blick von Odaiba

Costume Play in Harajuku

Durch den Monsun zu Tokyo Dome und Sony Building

April 18, 2008

Wenn es hier regnet – dann richtig. Heute war wieder einer dieser Tage monsunartigen Regens und Sturms. Erfahrungsgemäß ist dieses Wetter ungesund für unsere Schirme, so dass wir uns heute weitgehend drinnen aufgehalten haben. Das ausgefeilte U-Bahn-Netz hier erlaubt einem überwiegend ein Bewegen im Trockenen. So sind wir zunächst einmal zum Tokyo Dome gefahren. Das ist eine Baseball- und Veranstaltungshalle, die ca. 50000 Menschen fasst und das Heimstadion der Tokyo Giants ist. Baseball hat in Japan in etwa den Stellenwert wie bei uns der Fußball und deswegen wollen wir da mal dabei sein. Wir haben uns dann Tickets organisiert und werden uns nun am Sonntag ein Baseball-Spiel anschauen. Sollte das Wetter weiterhin so regnerisch sein, dann macht das in diesem Fall gar nichts, die Halle ist nämlich vollständig überdacht. Überhaupt schaut das Stadion aus wie ein großes Ei, wird hier deshalb wohl auch Big Egg genannt. Um das Stadion herum hat sich ein Gebäudekomplex mit Geschäften, Restaurants und einem Vergnügungspark entwickelt, der Big Egg City genannt wird. Dort gibt es z.B. eine Achterbahn, die durch ein Riesenrad und ein Hochhaus führt.

Später sind wir dann nach Ginza ins Sonybuilding gefahren. Man kann dort auf zahlreichen Stockwerken die neuesten Sony-Produkte anschauen und auch ausprobieren. Besonders hat uns ein Teil namens Rolly imponiert, das ab morgen den Markt erobern wird. Rolly ist ein MP3-Player in Eiform, der seine Lautsprecherklappen ausfährt, rhythmisch zur Musik bewegt und auch dazu tanzt. Schaut wirklich äußerst drollig aus, ist aber leider mit 300 Euro noch ein bisschen zu teuer für uns.

Tokyo Dome

Achterbahn

Tsukiji und Harajuku

April 17, 2008

Heute sind wir wirklich früh aufgestanden, um endlich zum weltbekannten Tsukiji zu fahren. An diesem weltgrößten Fischmarkt für Groß- und Einzelhändler werden täglich 2000 Tonnen Fisch umgesetzt. Der Fischmarkt für Großhändler findet in einer riesigen überdachten Halle statt und besteht aus etwa 1600 Verkaufsständen, die in loser Folge nebeneinander angeordnet sind. Jeder Stand lagert seine tote oder lebendige Ware in Styroporboxen bzw. kleinen Aquarien. Der Fischmarkt ist allerdings wirklich nicht für Touristenbesuche ausgelegt. Es geht sehr hektisch und eng zu, und man muss ständig aufpassen, damit man nicht von einem der kleinen Transportfahrzeuge umgefahren wird. Bereits um 5 Uhr findet die bekannte Thunfischauktion statt, die allerdings mittlerweile für die touristische Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist. Bei dieser Auktion werden unseres Wissens nach die frisch gefangenen und eingeeisten Thunfische den Händlern zur Begutachtung ausgelegt. Danach findet die eigentliche Versteigerung statt. Die Vielfalt der angebotenen Waren ist wirklich beeindruckend. Es gibt alles von Seegurken über Red Snapper, Riesengarnelen und Seeigeln bis hin zu lebenden Kugelfischen. Nach dem nicht wenig stressigen Spektakel sind wir erst mal Frühstücken gegangen, aber nicht etwa Marmeladensemmel, sondern Sushi. Nicht weit vom Fischmarkt entfernt befinden sich in den Gassen der Einzelhändler mehrere Sushi-Lokale, die den frischen Fisch gleich verarbeiten. Diese Lokale direkt am Markt gelten als qualitativ hochwertig und sind bereits um 9 Uhr gut besucht – auch von müde aussehenden, Sake trinkenden Einzelhändlern.

Anschließend sind wir dann erst zur Omotesando gefahren. Dies ist eine recht lange und breite Straße, die nach Harajuku führt und von (natürlich) Modeboutiquen und Cafés gesäumt ist. Die Straße wird hier auch mit der Champs Elysées in Paris verglichen. Geht man vom Harajuku-Bahnhof aus die Parallelstraße Takeshita-dori, erhält man einen völlig anderen Eindruck. Ist die Omotesando die Einkaufsstraße für die gut betuchten jungen Erwachsenen, so verkehren hier fast ausschließlich Teenies, die sich ihre knallbunte Garderobe zusammensuchen. Hier erhält der modebewusste Jugendliche alles von Gothic-Klamotten bis zum Rokoko-Kostüm und Vintage-Kleidung. Auch die Gastronomie ist hier sehr auf das junge Publikum ausgerichtet. Restaurant gibt es nicht mehr, dafür dominieren Fast-Food-Ketten und Crepe-Buden. In dieser Straße gibt es die größte Filiale der 100-Yen-Shop-Kette Daiso. Dort bekommt man auf vier Stockwerken alles erdenkliche Brauchbare und Unbrauchbare vom Küchengeschirr bis hin zu Schreibwaren, Hello-Kitty-Artikeln, Süßigkeiten und Kosmetikartikeln. Zum Teil sind die Sachen wirklich schön und hochwertig und damit für 100 Yen (65 Cent) sehr günstig. Auf jeden Fall findet sich in dem Laden allerhand Kurioses (zum Beispiel Miniatur-Schrein zum Selberbauen), so dass man dort schon einige Zeit verbringen kann.

Impressionen vom Fischmarkt

Kaiserpalast und Kabuki

April 16, 2008

Heute vormittag sind wir zum Kaiserpalast gefahren. Das ist eine riesige Anlage, wobei man zum Palast und den inneren Gärten keinen Zugang hat, da dort die Kaiserfamilie wohnt. An zwei Tagen im Jahr ist der innere Bereich für die Öffentlichkeit zugänglich, am 23. Dezember und am 2. Januar. Auf dem ersten Bild sieht man die Nijubashi-Brücke, die zum Kaiserpalast führt und natürlich streng bewacht wird. Wir sind dann den östlichen Palastgarten abgelaufen. Wie man sieht, sind dort unterschiedlichste Blumen und Bäume angepflanzt. An diesem idyllischen Ort haben wir unser Mittagessen eingenommen. Zwei ältere Japanerinnen neben uns haben uns mit japanischen Spezialitäten (“traditional japanese food”) gefüttert. Die süßen Sachen waren gut, nur mit dem getrockneten Fisch konnten wir äußerst wenig anfangen.

Am Nachmittag wollten wir uns Karten für eine Vorstellung im Kabuki-Theater besorgen. Es gibt die Möglichkeit, nur einen Akt zu sehen und dafür weniger zu bezahlen (600 Yen für Stehplatzkarten im 4. Stock). Nachdem wir in einer langen – und wohlarrangierten – Schlange angestanden sind, haben wir tatsächlich noch Karten bekommen. Das Theaterstück haben wir dank englischem Übersetzer im Ohr ganz gut verstanden, besonders faszinierend waren aber Bühnenbild und Kostüme. Beides war äußerst detailliert und ausgefeilt gestaltet. Ein vollständiges Kabukistück umfasst etwa drei bis vier Akte und dauert dann schon mal vier Stunden aufwärts. Kabuki ist eine traditionelle Form des Schauspieltheaters, wobei auch Tanz- und Gesangselemente vorkommen können. Interessant ist dabei noch, dass manche Rollen über Generationen hinweg vererbt werden.

Kuriosum des Tages: Man darf sich hier in der Hotellobby nicht wundern, wenn plötzlich Männer in blaugestreiften, knielangen Nachthemden und Latschen auftauchen. Das ist hier der Yukata-Look, der schon vor einigen Tagen beschrieben wurde. Dass man in diesem Aufzug abends zum Rauchen, Zeitung lesen und Bier trinken in die Lobby geht, war uns bisher auch noch nicht so klar. Von den anderen Gästen oder dem Personal hat sich zumindest niemand gewundert… :)

Nijubashi-Brücke im Palastgarten

Palastgarten

Kabuki-Theater

Zurück in Tokyo: Ginza und Tokyo Tower

April 15, 2008

Mit einem sehr komfortablen und pünktlichen Shinkansen ging es heute wieder zurück nach Tokyo. Unser Hotel liegt im Geschäftsviertel Nihonbashi. Die Umgebung ist hier zwar nicht sehr reizvoll, da sich hier vorwiegend Bürogebäude befinden. Interessant ist aber auch hier, dass sich zwischen 20stöckigen Hochhäusern immer wieder Schreine und Tempel befinden. Außerdem ist die U-Bahn-Anbindung gut. Nachdem wir unser Hotel bezogen haben, sind wir gleich mal ins Reichenviertel Ginza gefahren. Im Umkreis von etwa 500 Metern befinden sich hier über mehrere Stockwerke alle namhaften Designer dieser Welt. Chanel zum Beispiel dehnt sich über fünf Stockwerke aus und besitzt eine komplett animierte Fassade. Gegenüber bei Tiffany´s kann man sich Uhren für etwa 100000(!) Euro kaufen. So blieb uns nur das Window-Shopping. Weitere beeindruckende Gebäude sind z. B. das Sony-Building und der Apple-Store (alles zum Ausprobieren!).
Am Abend fuhren wir noch zum rot beleuchteten Tokyo Tower, der eine Nachbildung des Eiffelturms sein soll. Allerdings ist er elf Meter höher als das Original (333 Meter). Man kann einen verglasten Aufzug benutzen und auf zwei verschieden hoch gelegene Aussichtsplattformen fahren (150 bzw. 250 Meter).

Was hier doch mal Erwähnung verdient, ist der allgegenwärtige Kundenservice. Während man in Deutschland bisweilen das Gefühl hat, die VerkäuferInnen würden den Kunden eher aus dem Weg gehen, wird man hier von jedem Mitarbeiter, an dem man vorbeikommt, persönlich begrüßt. Das kann schon mal recht anstrengend sein, vor allem wenn in einer kleinen Abteilung für Taschentücher zehn VerkäuferInnen parat stehen (wir haben sie gezählt!). Steht man mal 20 Sekunden an einer Kasse an, kommt sofort der nächste Mitarbeiter angelaufen, entschuldigt sich und eröffnet eine neue Kasse. Bildet sich zum Beispiel in einer Cafebar doch einmal eine kleine Schlange, obwohl alle Kassen besetzt sind, bekommt man zumindest gleich eine Speise- oder Getränkekarte gebracht (nur keine Zeit verlieren!). Auch Entschuldigungen, kleinere Geldbeträge mit einem großen Schein bezahlen zu müssen, werden lächelnd abgewunken. Dass hier Kundenservice groß geschrieben wird, merkt man auch daran, dass man sich Kleidungsstücke ohne Probleme zwei Wochen zurücklegen lassen kann. Solche Bespiele kann man noch viele finden. Die Wünsche des Kunden zu erfüllen, scheint hier oberstes Gebot zu sein. Sollte dies doch einmal nicht realisierbar sein, wird sofort nach einer anderen Lösung gesucht.

Ginza

Tokyo Tower

Kyoto: Vom Nanzenji-Tempel zum Ginkakuji-Tempel

April 14, 2008

Als erstes haben wir heute versucht, in den Kaiserpalast reinzukommen, was leider nicht von Erfolg gekrönt war, weil dort klammheimlich die Öffnungszeiten geändert wurden. Anschließend sind wir dann zum Nanzenji-Tempel gefahren, der sich innerhalb einer wunderbaren Gartenanlage befindet. Darin konnten wir zum Beispiel Ahornbäume in verschiedenen Rotabstufungen bewundern. Danach sind wir den sogenannten “Philosophenweg” entlang gewandert. Diese ca. 2 km lange Strecke führt durch eine Kirschbaumallee vom Nanzenji-Tempel zum Ginkakuji-Tempel und heißt deswegen so, weil zwei japanische Philosophen und Universitätsprofessoren dort angeblich ihre Spaziergänge gemacht haben. Wie auch immer, der Weg ist tatsächlich recht idyllisch, da autofrei und mit netten kleinen Cafés gespickt (da sind wir natürlich eingekehrt; lustigerweise wurden dort u.a. alte deutsche Schlagermelodien gespielt). Auch der Ginkakuji-Tempel ist wirklich sehenswert und laut Reiseführer das Paradebeispiel eines Zen-Tempels. Neben einer äußerst meditativen Gartenanlage wurde dort ein “Meer aus Silbersand” angelegt, dessen geharkte Linien die Wellen des Meeres symbolisieren. In der Mitte befindet sich ein Steinkegel, welcher den Fuji darstellen soll.

Morgen fahren wir wieder mit dem Nozomi-Shinkansen zurück nach Tokyo in das Viertel Nihombashi. Im Gegensatz zu Asakusa, welches eher ein traditionell angehauchtes Viertel dargestellte, soll Nihombashi recht modern und vom Geschäftsleben geprägt sein. Mehr davon dann im nächsten Beitrag…

Nanzenji-Tempel

roter Fächerahorn

Nijo-Schloss, Nishiki-Markt und Pachinko

April 13, 2008

Vormittags besuchten wir den Honganji-Tempel, der nur fünf Gehminuten von unserem Hotel entfernt an der Hauptstraße liegt. Dummerweise lief dort gerade eine Art Gottesdienst ab, so dass wir den Tempel nicht näher besichtigen konnten. Drinnen soll sich aber ein geflochtenes Seil aus Haaren von Mitgliedern der buddhistischen Schule des Tempels befinden.
Anschließend sind wir nach einem langen Fußmarsch am Nishiki-Ichiba-Markt angekommen. Dieser verläuft als enge überdachte Gasse im Stadtzentrum und gibt das örtliche Nahrungsangebot recht authentisch wieder. Man kann dort Obst (was hier recht rar und teuer ist), Gemüse, frischen Fisch, aber auch Stoffe und Süßigkeiten kaufen. Außerdem gibt es jede Menge Möglichkeiten für einen Mittagssnack (siehe Bild mit Yakitori-Spießen ).
In der Gasse befindet sich auch ein im Reiseführer erwähnter Laden, der Messer aus eigener Produktion verkauft (www.aritsugu.com). Da wir uns sowieso ein japanisches Messer kaufen wollten, schlugen wir hier zu. Trotz dichtem Gedränge wurden wir schnell und freundlich bedient. Wir waren gezielt auf der Suche nach einem Santoku-Messer, das für den universellen Gebrauch bestimmt ist. Nach dem wir uns ein dreilagiges Messer passender Größe ausgesucht haben, wurde es auf Wunsch mit unseren Namen beschriftet und vor unseren Augen frisch geschliffen. Wir kauften außerdem noch einen passenden Schleifstein, dessen Verwendung uns ausführlich gezeigt wurde. Zu Hause werden wir dann sehen, ob wir alles kapiert haben.
Dann sind wir weiter zum Nijo-Schloss gegangen. Nach unserem Mittagessen vom Konbini (24-Stunden-Supermarkt), das wir im Schlosspark verspeist haben, machten wir einen Spaziergang durch die prächtigen Gärten. Die Gärten sehen zum Teil sehr wild gewachsen aus (siehe Bild), allerdings beruht das ganze auf einer ausgefeilten Gartenarchitektur. Ziel dieser ist es, die Natur so genau wie möglich abzubilden. Die Zimmer im Schloss sind äußerst minimalistisch gestaltet. Wirklich auffällig waren nur die Wandmalereien. Beim Rundgang durch das Gebäude hinterlässt jeder Schritt ein Quietschen. Dieser sogenannte Nachtigallengang – das Geräusch kann auch als Ruf einer Nachtigall aufgefasst werden – hatte den Zweck, frühzeitig vor Eindringlingen zu warnen.

Nach dem Abendessen haben wir uns noch in eine Pachinko-Halle getraut. Pachinko ist eine Art vertikaler Flipper, bei dem man nur die Geschwindigkeit der hinaufgeschossenen Kugel mit einem Rad regulieren kann. Die Kugeln fallen durch eine ganze Reihe von Nägelchen hindurch. Das Ziel ist es, möglichst viele Kugeln in ein bestimmtes Loch zu kriegen. Dadurch erhält man noch mehr Kugeln. Die in Japan herrschende Faszination an diesem Spiel – in Europa konnte sich Pachinko nie durchsetzen – ist nicht so leicht nachvollziehbar. Allerdings waren wir scheinbar gut, weil wir unseren Einsatz verdreifacht haben. :) Mit den zusätzlich erspielten Kugeln geht man in eine Art Laden, in dem man “Ware” und Chips dafür bekommt, da Glücksspiel in Japan verboten ist. Mit diesen Chips geht man an eine kleine Kasse um die Ecke und bekommt Geld dafür… :)

Nishiki-Markt

Garten des Nijo-Schlosses


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